02.11.2026 | News

Vom Wert des Zuhörens und Erzählens
Wie der Grünen-Politiker Jürgen Trittin im WDR-Hörfunk-Studio fluchend Rote-Bete-Suppe kochte, sich dabei vom anfangs ungeliebten Interview-Gast zum charmanten Gesprächspartner entwickelte und am Ende auf ihrer Couch übernachten durfte – das war eine der Anekdoten, mit der Radio-Moderatorin Gisela Steinhauer ihr Publikum im Begas-Haus erheiterte. Auf Einladung von „Mentor – die Leselernhelfer“ war die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Journalistin und Autorin nach Heinsberg gekommen, um aus dem Nähkästchen ihrer jahrzehntelangen Interview-Erfahrung zu plaudern. Im Dialog mit dem Mentor-Vorsitzenden Peter Kaiser und der Literaturpädagogin Manuela Hantschel entspann sich schnell ein munterer Austausch, in den auch die Mentoren und Mentorinnen miteinbezogen wurden.
Von Kaiser auf ihre Kindheit in einfachen, aber familiär herzlichen Verhältnissen angesprochen, äußerte die gebürtige Aachenerin den Wunsch, dass alle Kinder heutzutage Eltern fänden, „die sich um sie kümmern statt ihnen ein Handy in die Hand zu drücken“. Das Miteinander-Erzählen, das Sich-Einlassen auf den anderen, das gegenseitige Zuhören – das seien für sie die Eckpfeiler einer gelingenden Kindererziehung und gleichzeitig das Fundament für ihr späteres berufliches Leben, in dem sie Prominenten und Nicht-Prominenten gleichermaßen Vorbereitung, Neugier und Empathie entgegenbringe.
Über die soziale Beziehung, die sich in Steinhauers Interviews zu unbekannten Personen aufbaut, konnten auch die Mentoren und Mentorinnen berichten, denen es bei ihrem ersten Kontakt mit ihrem Lesekind ähnlich geht. Zuhören und sich vorurteilsfrei auf das Gegenüber einlassen, ist Bedingung ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit. Zur Mentor-Arbeit selbst hatte Steinhauer, die rasch wieder in ihre Rolle als Journalistin geschlüpft war, allerhand Fragen. Diese wurden von Mentor-Trainerin Hantschel und den Leselernhelferinnen und -helfern in einer lebhaften Diskussion beantwortet. Und so versprach Gisela Steinhauer, gern noch einmal nach Heinsberg zu kommen – auch wenn diesmal noch nicht der in Heinsberg erfundene Eierlikör kredenzt worden sei…
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